Geschäftsführer
Trainingsinsel und SanoGym
Ringo Mosch ist Geschäftsführer der Unternehmen Trainingsinsel und SanoGym. In seiner Arbeit beschäftigt er sich schwerpunktmäßig mit der Prävention von Muskel-Skelett-Erkrankungen sowie mit der Reduktion verhaltensbedingter Arbeitsunfälle. Sein Ziel ist es, Menschen zu mehr Bewegungssicherheit, besserer Körperwahrnehmung und nachhaltiger Leistungsfähigkeit im Alltag und Berufsleben zu führen.
Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit ist das neurozentrierte Training. Dabei geht es darum, die Bewegungssteuerung über das visuelle, vestibuläre und propriozeptive System gezielt zu verbessern. Dieses Zusammenspiel von Gehirn, Nervensystem und Bewegung nutzt Herr Mosch, um Trainings- und Präventionsansätze praxisnah, verständlich und direkt anwendbar zu vermitteln.
Sein Wissen gibt Ringo Mosch in der eigenen Akademie sowie als freier Dozent weiter. In seinen Seminaren verbindet er fundierte Bewegungsanalyse mit alltagsnahen Übungen und klaren Transferimpulsen für Unternehmen, Mitarbeitende und Fachkräfte.
Datum
Stolpern, Rutschen und Stürzen bleibt die häufigste Unfallart im Betrieb – auch dort, wo Beleuchtung, Bodenbeläge, Markierungen und Unterweisungen längst stimmen. Technik und Organisation sind vielerorts ausgereizt. Die personenbezogene Ebene des TOP-Prinzips dagegen erschöpft sich bis heute meist in der persönlichen Schutzausrüstung: Wir statten Menschen aus. Ob sie im entscheidenden Moment reagieren können, prüft kaum jemand.
Genau dort liegt eine Gefährdung, die in keiner Beurteilung auftaucht – und zugleich der letzte große Hebel. Gleichgewicht, Reaktionsfähigkeit und Körperwahrnehmung sind keine feststehenden Eigenschaften, sondern messbar und trainierbar. Der Vortrag zeigt, wie sich das im Betrieb erheben und belegen lässt – und warum dieselbe Maßnahme gleichzeitig auf Unfallkennzahlen und Arbeitsunfähigkeitstage einzahlt.
Ein Stolpern ist kein Fehlverhalten, sondern ein Normalfall. Die entscheidende Frage ist nicht, wie sich der Fehler verhindern lässt, sondern was in der halben Sekunde danach passiert. Ob jemand sich fängt oder fällt, hängt von Fähigkeiten ab, die jeder kennt: Gleichgewicht, peripheres Sehen, Körperwahrnehmung.
Das Problem: Niemand kann diese Fähigkeiten bei sich selbst objektiv einschätzen. Wer schlecht balanciert, merkt es nicht – er weicht unbewusst aus, hält sich am Geländer fest und hält das für normal. Erst die Messung macht sichtbar, was fehlt. Und genau dieser Moment ist der wirksamste Einstieg in Veränderung, den es gibt: Menschen ändern nichts, von dem sie nicht wissen, dass es ein Problem ist.
Ringo Mosch zeigt, wie sich diese Fähigkeiten im Betrieb erheben lassen, warum das Ergebnis Menschen bewegt statt beschämt – und was die gute Nachricht ist: Sinne und ihre Verarbeitung im Gehirn sind bis ins hohe Alter trainierbar.
Beim TOP-Prinzip gilt die Wertigkeit der Maßnahmen genau in der Reihenfolge: technisch, organisatorisch, personenbezogen. Dieser in den meisten Situationen richtige Ansatz stößt mit seiner Reihenfolge bei Stolper-, Rutsch- und Sturzunfällen (SRS) aber an eine Grenze, da bei SRS-Unfällen der personenbezogene Ansatz nicht der schlechteste Aspekt in der Reihenfolge ist.
Uwe Strofus ordnet den Ansatz aus Sicht des klassischen Arbeitsschutzes ein: Was ist der klassische Ansatz in der Gefährdungsbeurteilung, und wieso verhält sich das TOP-Prinzip bei SRS-Unfällen anders? Anhand verschiedener Praxisbeispiele wird vorgestellt, warum die individuellen verhaltensbasierten Ansätze unterschätzt werden und darin ein großes Potenzial liegt.
Muskel-Skelett-Erkrankungen und Stolperunfälle gehören im Produktionsumfeld zu den zentralen Herausforderungen für Gesundheit und Sicherheit. Merck setzt deshalb seit vielen Jahren auf einen aufsuchenden, niedrigschwelligen Ansatz, der Prävention direkt zu den Mitarbeitenden bringt.
Im aktuellen Projekt wurde das Training in mobilen Fitnessbussen um VR-basiertes neurozentriertes Training erweitert. Ziel ist es, neben der Prävention von Muskel-Skelett-Erkrankungen auch funktionelle Fähigkeiten zu adressieren, die für die Vermeidung von Stolperunfällen relevant sind.
Dr. Nils Balser, Senior Expert Health Management bei Merck, zeigt, wie der Bedarf aus dem internen Kennzahlensystem abgeleitet wurde, wie die Maßnahme im Produktionsalltag umgesetzt wird und welche vorläufigen Ergebnisse vorliegen. Ein Praxisbeispiel dafür, wie BGM und Arbeitsschutz an einer gemeinsamen Präventionsstrategie arbeiten können.
Zum Abschluss diskutieren die drei Referenten miteinander und mit dem Publikum. Im Mittelpunkt stehen die Fragen, die nach drei Vorträgen offenbleiben: Wo lässt sich die personenbezogene Ebene an die Gefährdungsbeurteilung anschließen? Wer trägt die Kosten, wenn eine Maßnahme gleichzeitig auf Unfallkennzahlen und Arbeitsunfähigkeitstage einzahlt? Und was ist der erste Schritt, der nichts kostet?
Die Perspektiven aus klassischem Arbeitsschutz, betrieblichem Gesundheitsmanagement und Trainingswissenschaft sind bewusst nicht deckungsgleich. Unterschiedliche Einschätzungen werden offen ausgetragen statt geglättet. Fragen aus dem Publikum sind ausdrücklich erwünscht.